Argh, jetzt hatte ich so viel geschrieben und es ist alles weg
Naja, dann fasse ich mich jetzt noch mal kurz beziehungsweise versuche es.
hawi, ich mag keine Soldaten, ganz und gar nicht. Ich kann nicht einmal ansatzweise nachvollziehen, wieso sich jemand freiwillig dazu ausbilden lässt, Menschen zu töten. Soldaten
sind Täter und für ihre Taten im Krieg selbst verantwortlich und können und müssen für diese zur Rechenschaft gezogen werden. Aber so wie sie Täter sind, sind sie auch Opfer, die von anderen Menschen zum Töten
und Sterben in den Krieg geschickt werden.
Diese viel und gern zitierte Aussage, dass Soldaten Mörder sind, lenkt den Fokus jedoch weg von diesen anderen Menschen, den viel größeren Mördern, die jeden einzelnen im Krieg getöteten Menschen auf dem Gewissen haben.
Ich hatte heute Nachmitag noch einen Absatz geschrieben, den ich dann aber wieder gelöscht habe. Den hätte ich drin lassen sollen, denn ja, du hast Recht, das war missverständlich formuliert und nicht das, worauf ich hinaus wollte.
Natürlich sind Soldaten keine Marionetten. Aber sie werden zu Marionetten gemacht von Menschen, für die sie nicht mehr als eine Zahl in der Statistik sind.
Ich hatte meinen Beitrag unter dem Eindruck der Meldungen geschrieben, nach denen wohl viele russische Soldaten nicht wussten, dass sie in einen Krieg geschickt würden, sondern bis zuletzt von einem Manöver ausgingen. Ich hatte es u.a. bei der Tagesschau gelesen und ich weiß nicht, was da dran ist. Aber bei der bloßen Vorstellung dreht sich mir der Magen um. Junge Menschen, die zum Wehrdienst gezwungen sind und ohne jede Vorbereitung in einen Krieg geschickt werden. Das ist widerlich. Wie kann man nur so mit seinen eigenen Leuten umgehen. Die Menschen, die du als Putins Mörder bezeichnest, sind aus meiner Sicht auch Putins Mordopfer.
Daher finde ich das ukrainische Angebot auch so clever, weil es den Menschen hinter dem anonymen russischen Soldaten sieht und diesem einen Ausweg bietet. Inwiefern es irgendetwas bringt, wird sich zeigen. Ich hoffe es.
Entsprechend hat mich dein geäußerter Wunsch etwas befremdet. Ich kann ihn ein wenig nachvollziehen und ich verstehe auch deinen Standpunkt. Aber meiner Meinung nach hat das nichts mit internationaler Solidarität zu tun (übrigens egal, um welchen Konflikt es geht) und ich finde es gefährlich, da es ja Menschen aus anderen Ländern gibt, die das umsetzen. Das auszuführen wird mir gerade zu viel, aber ich schreibe die Tage noch etwas dazu.
Für den Vorwurf der Entmenschlichung möchte ich dich um Entschuldigung bitten, der war im Kontext deines Beitrags nicht angemessen. Da hab ich selbst einen kleinen Stellvertreterkrieg ausgefochten.
Was allgemein Zivilisten betrifft, die ihr Land verteidigen wollen, hatte ich heute etwas bei Zeit Online gelesen (leider hinter einer Paywall), das mich nachdenklich gemacht hat. Der Autor argumentierte, dass der Einsatz von nicht ausgebildeten Zivilisten im Krieg gegen das Humanitäre Völkerrecht verstoße und zugleich die Gefahr für die Zivilbevölkerung erhöhe, da die Fronten zwischen Zivilisten und Militär verschwimmen. Ich finde, an dem Punkt ist etwas dran, aber ich kann mich noch nicht abschließend positionieren.