ExtraordinaryGirl hat geschrieben: Do., 06.10.2022, 10:47
Davon abgesehen: Wie viele derer, die diese Kita unterstützen, haben sich in diesem Alter überhaupt ernsthaft darüber Gedanken gemacht, welches Geschlecht Prinz und Prinzessin haben [...]?
Vermutlich niemand, aber genau darum geht es doch: für kleine Kinder ist die Welt normal, die sie tagtäglich in ihrer Familie, Kita, Medien etc. präsentiert bekommen und das ist meist eine ziemlich heteronormative Präsentation (Conni lässt grüßen). Homosexuelle Liebesbeziehungen auch in Kinderliteratur sichtbar zu machen, hat nichts mit Frühsexualisierung zu tun, sondern mit der Normalisierung von Homosexualität, mit der sehr viele Menschen immer noch massive Probleme zu haben scheinen.
Was die Pädophilie-Vorwürfe gegen den Vorstand betrifft, würde ich nicht ungeprüft von der Springer-Presse lancierte Vorwürfe übernehmen, die gerne mal Aussagen aus dem Kontext reißt und Fake News streut. Homosexualität in Kontext mit Pädophilie zu setzen, um erstere zu diskreditieren, ist auch wahrlich keine neue Strategie.
Lautmann selbst schreibt dazu:
Ich bin kein ‚Befürworter’ des Missbrauchs oder der Pädophilie; vielmehr habe ich versucht, die pädophilen Täter zu verstehen und ihre Vorgehensweisen zu beschreiben. Niemals habe ich für eine Abschaffung des Sexualstrafrechts oder eine Aufhebung des § 176 StGB votiert. Gerade diese Forderung fand ich stets äußerst seltsam. Was mir vorgeschwebt haben mag, war die Möglichkeit, dass die Justiz bei der Bestimmung des Strafmaßes im Einzelfall berücksichtigt, welche Art von sexueller Aggression vorliegt. Aber auch das war nie mein Thema – sondern die sexualsoziologische und -kriminologische Aufklärung, was bei den so unbegreiflich erscheinenden Handlungen geschieht.
https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdiger_Lautmann
Das liest sich etwas anders...
Ich würde als selbst von Kindesmissbrauch Betroffene die original Studie nicht lesen wollen, finde den Titel "Die Lust am Kind" auch sehr abstoßend; aber: dass zu Pädophilie auch aus der Sicht der Täter:innen geforscht wird, ist grundsätzlich nicht verkehrt. Die analytische Trennung von Pädophilie und Kindesmissbrauch, die Lautmann in der Studie vorzunehmen scheint und an der sich ein Teil der Empörung festmacht, halte ich auch für sehr sinnvoll; nicht jeder Pädophile missbraucht Kinder und nicht jeder, der Kinder missbraucht, ist pädophil. So verständlich die moralische Empörung über Pädophilie auch ist, ich glaube nicht, dass deren Stigmatisierung dazu beiträgt, Kinder zu schützen. Projekte wie das bekannte "Kein Täter werden" der Berliner Charité verfolgen genau diesen analytischen Ansatz und sind meines Wissens nach ziemlich erfolgreich damit.