Kein gutes Erstgespräch
Kein gutes Erstgespräch
Hallo,
ich möchte gern eure Einschätzung zu einem Erst-/Zweitgespräch bei einem Therapeuten hören, weil mich das Ganze ziemlich verunsichert zurückgelassen hat.
Nach über einem Jahr Suche und mehr als 120 kontaktierten Therapeuten hatte ich die Suche eigentlich schon aufgegeben. Dann meldete sich doch noch jemand und lud mich zu einem Erstgespräch ein.
Im ersten Gespräch habe ich – inzwischen recht geübt – meine aktuelle Lage zusammengefasst:
Ich stecke seit ca. zwei Jahren in einer schweren Krise nach mehreren Schicksalsschlägen, mit Phasen von starker Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Depression und Angst. Der Therapeut sagte, im zweiten Gespräch würde er mir einen möglichen Therapieplan und seine Herangehensweise erklären. Das klang für mich gut und professionell.
Das zweite Gespräch lief dann allerdings völlig anders – und ehrlich gesagt ziemlich schlecht.
Er begann mit der Frage:
„Wie kann ich Ihnen denn helfen?“
Diese Frage kam im Verlauf der Sitzung insgesamt etwa fünfmal wieder – teilweise wortgleich.
Ich erklärte mehrfach, dass ich aktuell vor allem Halt, Gespräche und Unterstützung brauche, weil ich den Stress und die innere Überforderung allein nicht mehr tragen kann. Trotzdem wurde ich immer wieder gefragt, wie die Therapie denn konkret aussehen solle und was ich erwarte. Das hat mich zunehmend überfordert, weil ich genau deswegen ja dort war – um einen fachlichen Vorschlag zu bekommen.
Zusätzlich kamen Aussagen bzw. Fragen wie:
ob ich nicht einfach weniger über den Krebs und meine Situation nachdenken könne, dann wäre mein Leben doch entspannter
dass ich ja eigentlich schon „ganz gut zurechtkomme“, weil die Schlaf-, Erschöpfungs- und depressiven Krisen aktuell nicht dauerhaft, sondern „nur noch phasenweise“ auftreten
was Therapie mir denn jetzt überhaupt noch bringen könne, wo ich doch wieder etwas innere Ruhe hätte
Das hat sich für mich so angefühlt, als würde mein Leid relativiert oder als wäre ich „zu stabil“, um Hilfe zu brauchen – obwohl ich klar gesagt habe, dass diese Phasen immer wieder sehr heftig sind und mich stark belasten.
Ich hatte außerdem das Gefühl, dass auf emotionale Inhalte (Vergangenheit, frühere Traumata, existentielle Ängste) kaum eingegangen wurde. Stattdessen fühlte ich mich zunehmend in einer Art Rechtfertigungsposition: Warum ich Hilfe brauche, warum ich nicht „einfach weniger nachdenke“, warum mich das alles trotzdem belastet.
Am Ende war ich innerlich völlig fertig, obwohl ich äußerlich ruhig geblieben bin. Nach dem Termin bin ich emotional regelrecht zusammengebrochen.
Jetzt frage ich mich:
Ist es normal, dass man als Patient mehrfach gefragt wird, wie die Therapie aussehen soll, ohne dass der Therapeut selbst einen Vorschlag macht?
Ist es professionell, Belastungen damit zu relativieren, dass Symptome „nur noch phasenweise“ auftreten?
Oder habe ich vielleicht eine falsche Erwartung an Psychotherapie?
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht und verunsichert, weil es so lange gedauert hat, überhaupt einen Termin zu bekommen – und es mir nach diesem Gespräch deutlich schlechter ging als vorher.
Ich würde mich sehr über eure Einschätzungen und Erfahrungen freuen.
Vielen Dank fürs Lesen.
ich möchte gern eure Einschätzung zu einem Erst-/Zweitgespräch bei einem Therapeuten hören, weil mich das Ganze ziemlich verunsichert zurückgelassen hat.
Nach über einem Jahr Suche und mehr als 120 kontaktierten Therapeuten hatte ich die Suche eigentlich schon aufgegeben. Dann meldete sich doch noch jemand und lud mich zu einem Erstgespräch ein.
Im ersten Gespräch habe ich – inzwischen recht geübt – meine aktuelle Lage zusammengefasst:
Ich stecke seit ca. zwei Jahren in einer schweren Krise nach mehreren Schicksalsschlägen, mit Phasen von starker Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Depression und Angst. Der Therapeut sagte, im zweiten Gespräch würde er mir einen möglichen Therapieplan und seine Herangehensweise erklären. Das klang für mich gut und professionell.
Das zweite Gespräch lief dann allerdings völlig anders – und ehrlich gesagt ziemlich schlecht.
Er begann mit der Frage:
„Wie kann ich Ihnen denn helfen?“
Diese Frage kam im Verlauf der Sitzung insgesamt etwa fünfmal wieder – teilweise wortgleich.
Ich erklärte mehrfach, dass ich aktuell vor allem Halt, Gespräche und Unterstützung brauche, weil ich den Stress und die innere Überforderung allein nicht mehr tragen kann. Trotzdem wurde ich immer wieder gefragt, wie die Therapie denn konkret aussehen solle und was ich erwarte. Das hat mich zunehmend überfordert, weil ich genau deswegen ja dort war – um einen fachlichen Vorschlag zu bekommen.
Zusätzlich kamen Aussagen bzw. Fragen wie:
ob ich nicht einfach weniger über den Krebs und meine Situation nachdenken könne, dann wäre mein Leben doch entspannter
dass ich ja eigentlich schon „ganz gut zurechtkomme“, weil die Schlaf-, Erschöpfungs- und depressiven Krisen aktuell nicht dauerhaft, sondern „nur noch phasenweise“ auftreten
was Therapie mir denn jetzt überhaupt noch bringen könne, wo ich doch wieder etwas innere Ruhe hätte
Das hat sich für mich so angefühlt, als würde mein Leid relativiert oder als wäre ich „zu stabil“, um Hilfe zu brauchen – obwohl ich klar gesagt habe, dass diese Phasen immer wieder sehr heftig sind und mich stark belasten.
Ich hatte außerdem das Gefühl, dass auf emotionale Inhalte (Vergangenheit, frühere Traumata, existentielle Ängste) kaum eingegangen wurde. Stattdessen fühlte ich mich zunehmend in einer Art Rechtfertigungsposition: Warum ich Hilfe brauche, warum ich nicht „einfach weniger nachdenke“, warum mich das alles trotzdem belastet.
Am Ende war ich innerlich völlig fertig, obwohl ich äußerlich ruhig geblieben bin. Nach dem Termin bin ich emotional regelrecht zusammengebrochen.
Jetzt frage ich mich:
Ist es normal, dass man als Patient mehrfach gefragt wird, wie die Therapie aussehen soll, ohne dass der Therapeut selbst einen Vorschlag macht?
Ist es professionell, Belastungen damit zu relativieren, dass Symptome „nur noch phasenweise“ auftreten?
Oder habe ich vielleicht eine falsche Erwartung an Psychotherapie?
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich enttäuscht und verunsichert, weil es so lange gedauert hat, überhaupt einen Termin zu bekommen – und es mir nach diesem Gespräch deutlich schlechter ging als vorher.
Ich würde mich sehr über eure Einschätzungen und Erfahrungen freuen.
Vielen Dank fürs Lesen.
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diesoderdas
- [nicht mehr wegzudenken]
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, 80 - Beiträge: 3762
ich würde sagen, es ist wichtig, dich in deiner Gesamtheit und Not gesehen zu fühlen.
Wenn das nicht gegeben ist (so klingt es für mich im Moment), dann vielleicht mutig anpsrechen und schauen, ob sich das Gefühl dazu im Laufe des Gesprächs verbessert. Wenn das Gefühl weiter ungut bleibt, ist es vielleicht ratsamer weiter zu suchen?
Es anzusprechen würde dir auch gleich zeigen, wie dein Gegenüber mit "Kritik" umgeht (wenn man diese Rückmeldung als Kritik auffassen möchte, was bestimmt bei dem ein oder anderen Therapeuten so sein könnte).
Wenn das nicht gegeben ist (so klingt es für mich im Moment), dann vielleicht mutig anpsrechen und schauen, ob sich das Gefühl dazu im Laufe des Gesprächs verbessert. Wenn das Gefühl weiter ungut bleibt, ist es vielleicht ratsamer weiter zu suchen?
Es anzusprechen würde dir auch gleich zeigen, wie dein Gegenüber mit "Kritik" umgeht (wenn man diese Rückmeldung als Kritik auffassen möchte, was bestimmt bei dem ein oder anderen Therapeuten so sein könnte).
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Sinarellas
- [nicht mehr wegzudenken]
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, 42 - Beiträge: 2378
" ob ich nicht einfach weniger über den Krebs und meine Situation nachdenken könne, dann wäre mein Leben doch entspannter"
huh hilf mir: Warst du beim psychoonkologischen Dienst? Auch (Hoch)Schulambulanzen haben Psychoonkologie im Fokus.
huh hilf mir: Warst du beim psychoonkologischen Dienst? Auch (Hoch)Schulambulanzen haben Psychoonkologie im Fokus.
..:..
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Charlie Foxtrott
- Forums-Insider

, 45 - Beiträge: 471
Hi,
ja, solche Erstgespräche kenne ich. In der Rehaklinik und auch in einer Ambulanz sollte ich mal Erklärungsmodell und Behandlungsplan selbst erstellen, bei einer Analytikerin (nur Vorgespräch) Therapieverfahren und Behandlungsdauer. Wie soll ich das als Laie ohne Diagnostik und Kenntnis der Verfahren tun?
Was Du m.E. tun kannst: Deine Behandlungsziele ordentlich strukturiert auflisten, was ist wichtiger, Schlaflosigkeit, dann Angst beseitigen oder andersrum. Angst wovor, was wann schaffen können. Stabilisieren, Entspannen, Konfrontieren ja/nein. Mehr Vergangenheit, mehr Gegenwart?
Einfach nicht dran denken ist ja Quatsch, weil das nicht geht und Ablenkung nie langfristig hilft. Mir (PTBS) hat auch mal jemand gesagt, ich solle einfach spazieren gehen bzw. bei Gefahr die Polizei holen. LOL, die hilft aber nicht gegen die Folgen im Kopf.
ja, solche Erstgespräche kenne ich. In der Rehaklinik und auch in einer Ambulanz sollte ich mal Erklärungsmodell und Behandlungsplan selbst erstellen, bei einer Analytikerin (nur Vorgespräch) Therapieverfahren und Behandlungsdauer. Wie soll ich das als Laie ohne Diagnostik und Kenntnis der Verfahren tun?
Was Du m.E. tun kannst: Deine Behandlungsziele ordentlich strukturiert auflisten, was ist wichtiger, Schlaflosigkeit, dann Angst beseitigen oder andersrum. Angst wovor, was wann schaffen können. Stabilisieren, Entspannen, Konfrontieren ja/nein. Mehr Vergangenheit, mehr Gegenwart?
Einfach nicht dran denken ist ja Quatsch, weil das nicht geht und Ablenkung nie langfristig hilft. Mir (PTBS) hat auch mal jemand gesagt, ich solle einfach spazieren gehen bzw. bei Gefahr die Polizei holen. LOL, die hilft aber nicht gegen die Folgen im Kopf.
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Damit du das vielleicht besser einschätzen kannst, erkläre ich dir mal was dahinter steckt. Die ersten 3 bis 5 Gesprächen dienen erst mal dazu Informationen von dir zu erhalten, Therapieziele festzulegen, sich kennenzumlernen und danach wird die Therapeutin ggf. ein Antrag bei deiner Krankenkasse stellen. Dieser beinhaltet einen mehrseitigen Bericht. Es gibt einen Psychologen,,der für deine Krankenkasse als Gutachter arbeitet und nach diesem Bericht deiner Therapeutin entscheiden muss, ob die Therapie bewilligt wird oder nicht.
Ja und als Patient gestaltet man die Therapie übrigens überwiegend selbst, weil es erwiesen ist, wenn du selbst überlegst, Vorschläge machst, Lösungswege selbst vorschlägst und probierst, selbst Ziele definierst etc. pp. dass sich gerade dadurch Gehirnstrukturen ändern, also wenn du selbst drauf kommst. Die Therapeutin assistiert dir dabei nur durch Fragen, die dich zum Nachdenken bringen sollen, damit du selbst aktiv, drauf kommst. Joa, also würde sagen, dass ist die Grundlage einer Therapie. Also ganz vereinfacht gesagt. Das sind die Basics.
Klar gibts auch mal was konkretes oder Tipps, aber das ist nicht der Kern einer Therapie.
Wenn du Vorschläge willst, dann solltest du keine Therapie machen, sondern ein Coaching. Das wird aber nicht von der Krankenkasse bezahlt, weil das keinwn nachgewiesene Effekt hat. Aber da bekommst du sowas.
Ein Therapieziel ist: Woran würdest du merken, dass die Therapie, etwas gebracht hat? Was hätte sich verändert? Was wünscht du dir? Wie sähe das konkret aus?
Unterstützung, Halt, Gespräche und Unterstützung sind im Grunde genommen kein Ziel, was der Therapeutin einen Anhaltspunkt gibt, wann die Therapie erfolgreich war.
Genau das, muss sie nämlich unter anderem an den Gutachter der Krankenkasse schreiben. Sie muss einen Bericht schreiben, damit die Therapie bewilligt wird. Dafür braucht sie konkretere Infos von dir. Sie kann und darf sich das nicht ausdenken. Das muss von dir kommen. Und die müssen Krankheitswert haben. Unterstützung bekommt man von Freunden oder Familie. Das reicht nicht. Die Krankenkassen sind da wirklich streng geworden. Geld ist knapp und Therapien werden nicht mehr ganz so easy bewiligt, wie früher.
(Therapieziele könne sich aber immer wieder ändern, da muss man sich nicht stressen da jetzt was festzulegen für ewig. Es ist norma, dass sich Ziele während der Therapie auch verändern können)
Und deshalb kommen auch die kritische Fragen. Sie ist dazu verpflichtet herauszufinden, ob du wirklich eine Therapie benötigst. Sie steht auch unter Druck. Diese Fragen, die sie stellt, würde auch der Gutachter stellen, der beurteilen muss, ob eine Therapie von der Krankenkasse finanziert wird. Sie muss das begründen in einem mehrseitigen Bericht über dich:
-warum hilft der Patientin nicht einfach Ablenkung, warum Psychotherapie erforderlich?
- warum benötigt die Patientin überhaupt eine Therapie, wenn sich doch bereits selbst stabilisieren kann (innere Ruhe, nur phasenweise)?
- krankheitswert, Verdachtdiagnose
usw. usw. usw, usw....
Das hat nichts mit dir zu tun. Sie muss erst mal diese nervigen Bericht schreiben. Deshalb sind die Infos ebe erst mal wichtig. Wir sind in Deutschland.. Bürokratie und so.
Ja, letztendlich ist das auch so. Deine Therapeutin muss sich wahrheitsgemäß vor dem Gutachter rechtfertigen, warum du eine Psychotherapie benötigst. Dein Gefühl ist also korrekt in dem Sinne.
Ja, das Gesundheitssystem ist scheiße. Ich meine, es wir psychsich kranken Menschen zugemutet 100 Psychotherapeute zu kontaktieren usw. Aber das wird sich auch nicht verbessernmin den nächsten Jahren. Also die nächsten 10 Jahre nicht. Und glaub mir, die Therapeutin würde dich auch lieber einfach so therapieren ohne diese ganzen Papierkram!
Ich persönlich würde da erst mal nicht so viel reininterpretieren. Die Therapie hat ja noch nicht mal richtig angefangen.
Also ja, am Anfang normal. Normalerweise wird dann über anderen Themen gesprochen, sie genug Infos für ihren Rechtfertigungsbericht hat.
Oder wenn nach ihrer Einschätzung keine Therapie notwendig, würde sie dir das dann auch direkt sagen.
Dann brauch sie ja erst gar keinen Bericht schreiben..
Normalerweise überteiben Therapeuten in diesem Bericht aber bzw. fomulieren es eben so,,dass es bewilligt wird. Also das liegt nicht alles auf dene Schulten. Alles muss du nicht liefern. Aber die Therapeutin darf sich nicht alles ausdenken. Also da müsstest du schon mitarbeiten.
Hi!Juna85 hat geschrieben: Fr., 12.12.2025, 05:04
Jetzt frage ich mich:
Ist es normal, dass man als Patient mehrfach gefragt wird, wie die Therapie aussehen soll, ohne dass der Therapeut selbst einen Vorschlag macht?
Ist es professionell, Belastungen damit zu relativieren, dass Symptome „nur noch phasenweise“ auftreten?
Oder habe ich vielleicht eine falsche Erwartung an Psychotherapie?
Damit du das vielleicht besser einschätzen kannst, erkläre ich dir mal was dahinter steckt. Die ersten 3 bis 5 Gesprächen dienen erst mal dazu Informationen von dir zu erhalten, Therapieziele festzulegen, sich kennenzumlernen und danach wird die Therapeutin ggf. ein Antrag bei deiner Krankenkasse stellen. Dieser beinhaltet einen mehrseitigen Bericht. Es gibt einen Psychologen,,der für deine Krankenkasse als Gutachter arbeitet und nach diesem Bericht deiner Therapeutin entscheiden muss, ob die Therapie bewilligt wird oder nicht.
Ja und als Patient gestaltet man die Therapie übrigens überwiegend selbst, weil es erwiesen ist, wenn du selbst überlegst, Vorschläge machst, Lösungswege selbst vorschlägst und probierst, selbst Ziele definierst etc. pp. dass sich gerade dadurch Gehirnstrukturen ändern, also wenn du selbst drauf kommst. Die Therapeutin assistiert dir dabei nur durch Fragen, die dich zum Nachdenken bringen sollen, damit du selbst aktiv, drauf kommst. Joa, also würde sagen, dass ist die Grundlage einer Therapie. Also ganz vereinfacht gesagt. Das sind die Basics.
Klar gibts auch mal was konkretes oder Tipps, aber das ist nicht der Kern einer Therapie.
Wenn du Vorschläge willst, dann solltest du keine Therapie machen, sondern ein Coaching. Das wird aber nicht von der Krankenkasse bezahlt, weil das keinwn nachgewiesene Effekt hat. Aber da bekommst du sowas.
Ein Therapieziel ist: Woran würdest du merken, dass die Therapie, etwas gebracht hat? Was hätte sich verändert? Was wünscht du dir? Wie sähe das konkret aus?
Unterstützung, Halt, Gespräche und Unterstützung sind im Grunde genommen kein Ziel, was der Therapeutin einen Anhaltspunkt gibt, wann die Therapie erfolgreich war.
Genau das, muss sie nämlich unter anderem an den Gutachter der Krankenkasse schreiben. Sie muss einen Bericht schreiben, damit die Therapie bewilligt wird. Dafür braucht sie konkretere Infos von dir. Sie kann und darf sich das nicht ausdenken. Das muss von dir kommen. Und die müssen Krankheitswert haben. Unterstützung bekommt man von Freunden oder Familie. Das reicht nicht. Die Krankenkassen sind da wirklich streng geworden. Geld ist knapp und Therapien werden nicht mehr ganz so easy bewiligt, wie früher.
(Therapieziele könne sich aber immer wieder ändern, da muss man sich nicht stressen da jetzt was festzulegen für ewig. Es ist norma, dass sich Ziele während der Therapie auch verändern können)
Und deshalb kommen auch die kritische Fragen. Sie ist dazu verpflichtet herauszufinden, ob du wirklich eine Therapie benötigst. Sie steht auch unter Druck. Diese Fragen, die sie stellt, würde auch der Gutachter stellen, der beurteilen muss, ob eine Therapie von der Krankenkasse finanziert wird. Sie muss das begründen in einem mehrseitigen Bericht über dich:
-warum hilft der Patientin nicht einfach Ablenkung, warum Psychotherapie erforderlich?
- warum benötigt die Patientin überhaupt eine Therapie, wenn sich doch bereits selbst stabilisieren kann (innere Ruhe, nur phasenweise)?
- krankheitswert, Verdachtdiagnose
usw. usw. usw, usw....
Das hat nichts mit dir zu tun. Sie muss erst mal diese nervigen Bericht schreiben. Deshalb sind die Infos ebe erst mal wichtig. Wir sind in Deutschland.. Bürokratie und so.
Ja, letztendlich ist das auch so. Deine Therapeutin muss sich wahrheitsgemäß vor dem Gutachter rechtfertigen, warum du eine Psychotherapie benötigst. Dein Gefühl ist also korrekt in dem Sinne.
Ja, das Gesundheitssystem ist scheiße. Ich meine, es wir psychsich kranken Menschen zugemutet 100 Psychotherapeute zu kontaktieren usw. Aber das wird sich auch nicht verbessernmin den nächsten Jahren. Also die nächsten 10 Jahre nicht. Und glaub mir, die Therapeutin würde dich auch lieber einfach so therapieren ohne diese ganzen Papierkram!
Ich persönlich würde da erst mal nicht so viel reininterpretieren. Die Therapie hat ja noch nicht mal richtig angefangen.
Also ja, am Anfang normal. Normalerweise wird dann über anderen Themen gesprochen, sie genug Infos für ihren Rechtfertigungsbericht hat.
Oder wenn nach ihrer Einschätzung keine Therapie notwendig, würde sie dir das dann auch direkt sagen.
Dann brauch sie ja erst gar keinen Bericht schreiben..
Normalerweise überteiben Therapeuten in diesem Bericht aber bzw. fomulieren es eben so,,dass es bewilligt wird. Also das liegt nicht alles auf dene Schulten. Alles muss du nicht liefern. Aber die Therapeutin darf sich nicht alles ausdenken. Also da müsstest du schon mitarbeiten.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf
Virginia Woolf
Checke auch immer nicht, warum Therapeuten das nicht einfach alles ganz offen kommunizieren. Machen die nie. Wahrscheinlich damit Patienten dann nicht bewusst irgendwas erzählen nur damit der Antrag bewilligt wird oder so. Oder weil es stresst. Was weiß ich.
Aber so sind doch diese Frage echt mega irritierend. Wie son Verhör kommt das doch rüber, wenn man den Grund nicht kennt
Und sie hätte es echt ein wenig einfühlsamer gestalten können.
Aber so sind doch diese Frage echt mega irritierend. Wie son Verhör kommt das doch rüber, wenn man den Grund nicht kennt
Und sie hätte es echt ein wenig einfühlsamer gestalten können.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf
Virginia Woolf
-
LovisTochter
- Forums-Gruftie

, 51 - Beiträge: 907
Nur zur Korrektur, die ersten 24 Stunden (2x12) sind NICHT gutachterpflichtig. Diese müssen bei der KK nur angezeigt werden. Dafür braucht es keinen Bericht. Der ist erst für die Langzeittherapie notwendig (wenn es über die 24 Stunden hinausgehen soll).
Wer nicht auf seine Weise denkt, denkt überhaupt nicht. (Oscar Wilde)
Ja, stimmt. Ich erinnere mich dunkelLovisTochter hat geschrieben: Fr., 12.12.2025, 20:08 Nur zur Korrektur, die ersten 24 Stunden (2x12) sind NICHT gutachterpflichtig.
Beim Antrag für die Kurzeittherapie 1 (12 Stunden) oder Kurzeittherapie 2 (12 Stunden) erst mal kein Gutachter, nur kurze Begründung auf dem Antrag selbst notwendig.
"You cannot find peace by avoiding life."
Virginia Woolf
Virginia Woolf
Hallo Juna,Juna85 hat geschrieben: Fr., 12.12.2025, 05:04 Am Ende war ich innerlich völlig fertig, obwohl ich äußerlich ruhig geblieben bin. Nach dem Termin bin ich emotional regelrecht zusammengebrochen.
Ist es normal, dass man als Patient mehrfach gefragt wird, wie die Therapie aussehen soll, ohne dass der Therapeut selbst einen Vorschlag macht?
Ist es professionell, Belastungen damit zu relativieren, dass Symptome „nur noch phasenweise“ auftreten?
du fragst, ob das, was du bei dem Therapeuten erlebt hast, normal sei.
Normal im Sinne von weit verbreitet - ja; normal im Sinne einer guten Therapie - nein.
Es zeugt von großer Unsicherheit und Unprofessionalität, so mit einem leidenden und hilfesuchenden Menschen umzugehen. Das zeigt, dass du "völlig fertig" und "zusammengebrochen" bist. So etwas sollte nicht vorkommen.
Ein guter Therapeut würde deinen Störungsbild erfassen ("diagnostizieren" heisst nicht, ICD-Ziffern zu vergeben, sondern "durchschauen" im Sinne von verstehen). Gute Therapie bedeutet immer, das Individuum zu erfassen. Z. B. gehe ich auf einen Therapieneuling anders zu als auf einen Therapieerfahrenen. Gute Therapie, auch schon der absolute Beginn, kümmert sich immer um die aktuelle Realebene und das, was in der Tiefe möglicherweise zu diesem Zustand geführt hat.
Gute Therapie fragt nach Therapiezielen im Sinne von: Was wollen Sie an sich selbst verändern, damit es Ihnen langfristig besser geht." Aber bei Therapieneulingen nicht gleich zu Beginn, da ist erstmal Einordnung und Verstehen wichtig.
Es gibt immer weniger fähige Psychotherapeuten. Das Problem wird sich auch noch verschärfen, die Ausbildung wird auf "Massenware" ausgerichtet, Therapeuten ohne Tiefe und eigene Lebens- und Selbsterfahrung kommen auf den "Markt". Immer wichtiger wird es für Pat. herauszufinden, wer wirklich etwas taugt und dann eben auch selbst zu zahlen, aber dort besondere Vorsicht vor Scharlatanen!
Alles Gute
alatan
@diesoderdas
Ja, genau so war es leider. Nach dem zweiten Gespräch hatte ich überhaupt kein gutes Gefühl mehr. Das erste verlief noch recht neutral, aber danach entstand bei fast jeder Frage dieses Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen.
Ich hatte den Eindruck, dass er zwar verstand, dass meine Probleme real und ernst sind (so hat er es auch formuliert), aber überhaupt nicht warum sie mich so belasten – und dass es aus seiner Sicht offenbar schon „reichen müsste“, wenn es mir zeitweise etwas besser geht.
Im Nachhinein denke ich, ich hätte vielleicht noch klarer sagen sollen, dass ich diese extremen Zeiten im Grunde nur dank meines Hundes überstanden habe und weit davon entfernt bin, festen Boden unter den Füßen zu haben.
@Sinarellas
Leider ist daraus nie etwas Tragfähiges entstanden. Es blieb bei einem einzelnen Gespräch, in dem ich recht schnell Richtung OP gedrängt wurde. Auf Panikattacken kam als Reaktion sinngemäß nur: „Machen Sie sich doch nicht so viele Sorgen.“
Da habe ich mich ehrlich gefragt, ob ich gerade im falschen Film bin. Die Kliniken scheinen schlicht keine Kapazitäten zu haben, wirklich auf Menschen einzugehen, und verweisen dann reflexhaft auf ambulante Therapie – die man dann aber auch erst einmal finden muss.
@Charlie Foxtrott
Ja, genau dieses Gefühl hatte ich auch: „Bitte bringen Sie mir doch einen ordentlichen Therapieplan mit.“
Die Gründe, weshalb ich dort war, habe ich meiner Meinung nach sehr strukturiert und verständlich geschildert. Welche konkreten therapeutischen Möglichkeiten es dann gibt, kann ich als Patientin aber gar nicht wissen. Selbst Recherche führt ja meist nur zu sehr oberflächlichen Begriffen wie Verhaltenstherapie oder analytische Therapie.
In dem Moment kam bei mir sogar innerlich Ärger auf, weil ich dachte: Das ist doch eigentlich Ihr Job.
@~~~
So kann ich seinen Hintergrund inzwischen etwas besser verstehen. Er musste vermutlich Kästchen ankreuzen, Tabellen ausfüllen und versuchen, bestimmte Formulierungen aus mir herauszubekommen.
Natürlich kann er mir keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen liefern. Aber jemanden ständig zu fragen: „Was ist Ihr Problem und wie könnten Sie es lösen?“ ist etwas, das man nicht einmal ansatzweise in ein paar Minuten bewältigen kann – schon gar nicht in einer echten Krise.
So ein Vorgehen setzt einen eher in die Verliererposition, weil man erstmal ratlos dasitzt. Das mag bei sehr alltäglichen Problemen funktionieren, aber nicht bei existenziellen Belastungen.
@alatan
Wenn ich jetzt zurückdenke, war ich am Ende des Gesprächs auch schon völlig neben mir und innerlich nicht mehr richtig da. Er betonte noch einmal, dass meine Situation „real und äußerst heftig“ sei und dass ich mit massivem kämpfe – und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ihn genau das überfordert.
Ich kann eben nicht sagen: „Ich denke einfach weniger darüber nach, dann löst sich der Stress schon auf.“ Genau deshalb wurde ich zuvor auch mehrfach abgelehnt mit der Begründung, man mache nur Kurzzeittherapie oder bearbeite „Alltagssorgen“, und mein Thema sei zu komplex und aufwendig.
Das macht mich ehrlich gesagt fassungslos. Wozu studiert man das alles, wenn Depressionen, Panikattacken und existenzielle Krisen dann doch heruntergespielt werden – nach dem Motto: „Jeder hat ja mal Angst oder einen schlechten Tag“?
Ja, genau so war es leider. Nach dem zweiten Gespräch hatte ich überhaupt kein gutes Gefühl mehr. Das erste verlief noch recht neutral, aber danach entstand bei fast jeder Frage dieses Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen.
Ich hatte den Eindruck, dass er zwar verstand, dass meine Probleme real und ernst sind (so hat er es auch formuliert), aber überhaupt nicht warum sie mich so belasten – und dass es aus seiner Sicht offenbar schon „reichen müsste“, wenn es mir zeitweise etwas besser geht.
Im Nachhinein denke ich, ich hätte vielleicht noch klarer sagen sollen, dass ich diese extremen Zeiten im Grunde nur dank meines Hundes überstanden habe und weit davon entfernt bin, festen Boden unter den Füßen zu haben.
@Sinarellas
Leider ist daraus nie etwas Tragfähiges entstanden. Es blieb bei einem einzelnen Gespräch, in dem ich recht schnell Richtung OP gedrängt wurde. Auf Panikattacken kam als Reaktion sinngemäß nur: „Machen Sie sich doch nicht so viele Sorgen.“
Da habe ich mich ehrlich gefragt, ob ich gerade im falschen Film bin. Die Kliniken scheinen schlicht keine Kapazitäten zu haben, wirklich auf Menschen einzugehen, und verweisen dann reflexhaft auf ambulante Therapie – die man dann aber auch erst einmal finden muss.
@Charlie Foxtrott
Ja, genau dieses Gefühl hatte ich auch: „Bitte bringen Sie mir doch einen ordentlichen Therapieplan mit.“
Die Gründe, weshalb ich dort war, habe ich meiner Meinung nach sehr strukturiert und verständlich geschildert. Welche konkreten therapeutischen Möglichkeiten es dann gibt, kann ich als Patientin aber gar nicht wissen. Selbst Recherche führt ja meist nur zu sehr oberflächlichen Begriffen wie Verhaltenstherapie oder analytische Therapie.
In dem Moment kam bei mir sogar innerlich Ärger auf, weil ich dachte: Das ist doch eigentlich Ihr Job.
@~~~
So kann ich seinen Hintergrund inzwischen etwas besser verstehen. Er musste vermutlich Kästchen ankreuzen, Tabellen ausfüllen und versuchen, bestimmte Formulierungen aus mir herauszubekommen.
Natürlich kann er mir keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen liefern. Aber jemanden ständig zu fragen: „Was ist Ihr Problem und wie könnten Sie es lösen?“ ist etwas, das man nicht einmal ansatzweise in ein paar Minuten bewältigen kann – schon gar nicht in einer echten Krise.
So ein Vorgehen setzt einen eher in die Verliererposition, weil man erstmal ratlos dasitzt. Das mag bei sehr alltäglichen Problemen funktionieren, aber nicht bei existenziellen Belastungen.
@alatan
Wenn ich jetzt zurückdenke, war ich am Ende des Gesprächs auch schon völlig neben mir und innerlich nicht mehr richtig da. Er betonte noch einmal, dass meine Situation „real und äußerst heftig“ sei und dass ich mit massivem kämpfe – und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ihn genau das überfordert.
Ich kann eben nicht sagen: „Ich denke einfach weniger darüber nach, dann löst sich der Stress schon auf.“ Genau deshalb wurde ich zuvor auch mehrfach abgelehnt mit der Begründung, man mache nur Kurzzeittherapie oder bearbeite „Alltagssorgen“, und mein Thema sei zu komplex und aufwendig.
Das macht mich ehrlich gesagt fassungslos. Wozu studiert man das alles, wenn Depressionen, Panikattacken und existenzielle Krisen dann doch heruntergespielt werden – nach dem Motto: „Jeder hat ja mal Angst oder einen schlechten Tag“?
Das bestätigt meine obigen Aussagen.Juna85 hat geschrieben: So., 14.12.2025, 05:35 Genau deshalb wurde ich zuvor auch mehrfach abgelehnt mit der Begründung, man mache nur Kurzzeittherapie oder bearbeite „Alltagssorgen“, und mein Thema sei zu komplex und aufwendig.
Das macht mich ehrlich gesagt fassungslos. Wozu studiert man das alles, wenn Depressionen, Panikattacken und existenzielle Krisen dann doch heruntergespielt werden
Viele Psychotherapeuten verdienen diesen Namen nicht, sondern sind eine Art Sozialpädagogen, im besten Falle.
Bezahlt werden sie aber dafür, schwere psychische Störungen zu behandeln. Der Grund dafür sind schlechte bis miserable Aus- und Weiterbildung, ein schwerer Mangel an umfassendem und komplexem Denken (unabhängig von der Therapieschule), fast nie hinreichende Selbsterfahrung bzw. -therapie (besonders gefährlich!) und natürlich auch der Wunsch nach einem bequemen Berufsalltag ohne anstrengende Patienten.
(Letzteres ist aber vermutlich besser, als wenn diese gering Qualifizierten und Erfahrenen sich daran machten, schwere Störungen zu "therapieren"- und meist zu schädigen!)
@alatan Ja ich versuchs wieder mit Lachen statt mit heulen. Das Tageshoroskop in der Zeitung macht mir gerade mehr Hoffnung für die Zukunft als solche Gespräche.
Irgendwie fühlt es sich an, als wenn gerade das Haus brennt und die Feuerwehr gießt erstmal die Zimmerpflanzen. Ich weiß nicht ob das besser wird mit der Zeit oder ihm "da zu schnell das Wasser ausgeht".
Das was du da geschrieben hast öffnet mir gerade auch die Augen, weil ich das bei einer Bekannten erlebt hab. Sie sagt sie hatte eine schöne Kindheit und tolle Eltern, aber ihre Therapeutin ist von einem Trauma überzeugt und jetzt suchen sie eins. Irgendwo muss man ja mal ein Schrecken gekriegt haben. Dank deiner Antwort verstehe ich da auch den Hintergrund - ein nicht vorhandenes Trauma lässt sich gut heilen, das erklärt die Erfolgsquoten.
Ich lese ja auch von Menschen die tolle Therapeuten gefunden haben, die ihren Job mit Herzblut machen. Aber nach der Suche über 2 Jahre und den jedesmal aufgerissenen Wunden bei solchen Vorgesprächen, die meistens mit "Ja sie haben Probleme und sollten weitersuchen, denn ich hab grad keine Plätze frei" endeten hab ich da auch die Kraft verloren weiterzumachen.
Fremde Männer, die mir keinen Therapieplan geben, aber das Angebot zur Brustuntersuchung mitzukommen, "Traumaexperten" die mir sagen ich solle mir nicht so viele Sorgen machen als Antwort auf Panikattacken und Leuten die überfordert sind, weil meine Probleme "Real, existenziell und wirklich schwierig" seien, da ärger ich mich über das Geld was die dabei verdient haben, weil ich da auch einen ordentlichen Anteil selbst zuzahlen muss jedesmal.
Irgendwie fühlt es sich an, als wenn gerade das Haus brennt und die Feuerwehr gießt erstmal die Zimmerpflanzen. Ich weiß nicht ob das besser wird mit der Zeit oder ihm "da zu schnell das Wasser ausgeht".
Das was du da geschrieben hast öffnet mir gerade auch die Augen, weil ich das bei einer Bekannten erlebt hab. Sie sagt sie hatte eine schöne Kindheit und tolle Eltern, aber ihre Therapeutin ist von einem Trauma überzeugt und jetzt suchen sie eins. Irgendwo muss man ja mal ein Schrecken gekriegt haben. Dank deiner Antwort verstehe ich da auch den Hintergrund - ein nicht vorhandenes Trauma lässt sich gut heilen, das erklärt die Erfolgsquoten.
Ich lese ja auch von Menschen die tolle Therapeuten gefunden haben, die ihren Job mit Herzblut machen. Aber nach der Suche über 2 Jahre und den jedesmal aufgerissenen Wunden bei solchen Vorgesprächen, die meistens mit "Ja sie haben Probleme und sollten weitersuchen, denn ich hab grad keine Plätze frei" endeten hab ich da auch die Kraft verloren weiterzumachen.
Fremde Männer, die mir keinen Therapieplan geben, aber das Angebot zur Brustuntersuchung mitzukommen, "Traumaexperten" die mir sagen ich solle mir nicht so viele Sorgen machen als Antwort auf Panikattacken und Leuten die überfordert sind, weil meine Probleme "Real, existenziell und wirklich schwierig" seien, da ärger ich mich über das Geld was die dabei verdient haben, weil ich da auch einen ordentlichen Anteil selbst zuzahlen muss jedesmal.
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Gespensterkind
- [nicht mehr wegzudenken]
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, 35 - Beiträge: 1492
Deinen Frust und Deine Enttäuschung nach jahrelanger Therapeutensuche kann ich verstehen.
Du hättest jetzt entweder die Möglichkeit:
1. noch mal hingehen und genau Deine Verunsicherung, Deine Irritation und all das, was Du nicht verstehst, warum Du das dauernd gefragt wurdest mitzuteilen und zu schauen, ob daraus ein (für Dich) besseres Gespräch wird, wo Du dir am Ende vorstellen kannst, weiterzumachen
2. nicht mehr hingehen und frustriert sein und evtl. weitersuchen
3. hingehen, nichts sagen und leiden
Ein bisschen Konfrontation mit den eigenen Therapiezielen zu Beginn einer Therapie finde ich nicht verkehrt. Jeder Therapeut ist anders. Letztendlich entscheidest Du Dich für den Therapeuten oder nicht.
Aber fang keine Therapie an, wo Du nicht das Gefühl hast, dass die Art und Weise Deines Therapeuten für Dich hilfreich sein könnte.
Ich würde es klären. Sonst bleibt es so stehen und Du bist einfach nur frustriert.
Du hättest jetzt entweder die Möglichkeit:
1. noch mal hingehen und genau Deine Verunsicherung, Deine Irritation und all das, was Du nicht verstehst, warum Du das dauernd gefragt wurdest mitzuteilen und zu schauen, ob daraus ein (für Dich) besseres Gespräch wird, wo Du dir am Ende vorstellen kannst, weiterzumachen
2. nicht mehr hingehen und frustriert sein und evtl. weitersuchen
3. hingehen, nichts sagen und leiden
Ein bisschen Konfrontation mit den eigenen Therapiezielen zu Beginn einer Therapie finde ich nicht verkehrt. Jeder Therapeut ist anders. Letztendlich entscheidest Du Dich für den Therapeuten oder nicht.
Aber fang keine Therapie an, wo Du nicht das Gefühl hast, dass die Art und Weise Deines Therapeuten für Dich hilfreich sein könnte.
Ich würde es klären. Sonst bleibt es so stehen und Du bist einfach nur frustriert.
Du schreibst weiter oben, dass du schon geübt bist darin, den Grund für dein Kommen vorzutragen. Logisch, denn du hast das ja tatsächlich schon viele Male gemacht. Darum möchte ich dir die Anregung geben, diese Tatsache besonders zu betonen. Es entsteht sonst leicht der Eindruck, dass es dir ja eigentlich gut geht. Die Emotionen werden nicht mehr in derselben Weise sichtbar wie beim ersten Mal. Da ist ein guter Teil Resignation und Reserviertheit dabei. Das ist normal und auch richtig, es dient dem Selbstschutz, um nicht wieder und wieder auf dieselbe Weise enttäuscht zu werden. Aber dadurch entsteht ein vollkommen falscher Eindruck. Auch dass du eine so lange Wartezeit überstanden hast und immer noch auf der Suche bist, unterstreicht diesen Eindruck. "Kann ja dann so schlimm nicht sein." Nur, was hättest du denn machen sollen? Wenn man etwas überstehen MUSS, dann bedeutet die Tatsache, dass Zeit x vergangen ist und man da immer noch drin steckt mitnichten, dass es nicht schlimm ist. Und vielleicht hast du inzwischen auch so viel daran gefeilt, dich möglichst präzise und verständlich auszudrücken, dass der Therapeut glaubt, da wäre mehr Hintergrundwissen vorhanden als da tatsächlich ist. Du hast dich mit dem Thema Therapie auseinandergesetzt, und du sprichst darüber nicht wie Lieschen Müller von der Käsetheke.
Vielleicht kannst du das rüberbringen? Falls du denkst, es könnte zutreffen, was ich mir so zusammengereimt habe.
Ob sich das bei diesem Therapeuten noch lohnt musst allerdings du beurteilen. Nach deiner Beschreibung würde ich da nicht nochmal hingehen. Eine schlechte Therapie ist nicht besser als gar keine. Und wer sich gleich zu Anfang so verhält, hm, die Erfahrung sagt, dass es unwahrscheinlich ist, dass das grundlegend besser wird im Verlauf.
Vielleicht kannst du das rüberbringen? Falls du denkst, es könnte zutreffen, was ich mir so zusammengereimt habe.
Ob sich das bei diesem Therapeuten noch lohnt musst allerdings du beurteilen. Nach deiner Beschreibung würde ich da nicht nochmal hingehen. Eine schlechte Therapie ist nicht besser als gar keine. Und wer sich gleich zu Anfang so verhält, hm, die Erfahrung sagt, dass es unwahrscheinlich ist, dass das grundlegend besser wird im Verlauf.
@Gespensterkind
Ich habe tatsächlich schon überlegt, einen Brief zu schreiben, weil ich im Moment kein gutes Gefühl habe, noch einmal hinzugehen. Das Gespräch wirkte sehr kühl und stellenweise auch vorwurfsvoll.
Zum Beispiel kamen Aussagen in die Richtung: „Wenn Sie jetzt zwei Jahre lang alternative Lösungen gesucht haben und nichts dabei herauskam, war das ja alles umsonst. Warum lassen Sie es dann nicht ganz, wenn es Sie so belastet?“
Da habe ich gemerkt, dass er offenbar nicht sieht, dass ich mich in dieser Zeit auch allein durch Depressionen und Panikattacken kämpfen musste – und dass diese Suche kein Hobby, sondern ein Überlebensversuch war.
@Montana
Du triffst den Punkt sehr gut, das stimmt absolut. Ich erzähle meine Geschichte oft, während ich innerlich gar nicht wirklich dabei bin – eher wie einen Horrorfilm, den man beschreibt, ohne zu erwähnen, dass man dabei vor Angst geheult hat.
Mein allererstes Gespräch war bei einem Psychiater mit Zusatz Psychotherapie, der mir empfohlen wurde, weil die Praxis neu eröffnet hatte und man sagte mir, dort wären noch freie Plätze. Ich war völlig aufgelöst, habe gestammelt und unsortiert geredet. Seine Reaktion war, mich anzustarren und zu motzen: „Ich verstehe kein Wort.“
Dann wechselte er zu einem Fragebogen am PC, und das Gespräch fühlte sich plötzlich an wie ein Kreuzverhör bei der Polizei. Ich musste im Eiltempo Ja-/Nein-Fragen beantworten:
„Spielt Alkohol eine Rolle?“ – „Nein.“
„Verletzen Sie sich selbst?“ – „Nein.“
"Haben sie Selbstmordgedanken" - "Nein"....
Am Ende zwang er mich sogar, mit dem Taxi in eine Klinik zu fahren, um dort einen OP-Termin zu machen, weil ich angeblich „unfähig“ sei, das selbst zu organisieren. Es war ein unfassbar heftiger Moment für mich, weil er mir gegenüber laut und drohend wurde.
Da habe ich sehr schnell gelernt, nicht mehr zu stammeln und möglichst kontrolliert zu sprechen.
An anderen Stellen wurden meine Probleme wiederum als „zu viel“ eingeschätzt, und mir wurde geraten, zuerst mehrere Wochen in eine Klinik zu gehen. In den Telefonaten mit verschiedenen Kliniken hieß es dann aber oft, dass man mir eigentlich gar nicht richtig helfen könne, da ich eher dauerhafte Begleitung und regelmäßige Gespräche ambulant bräuchte.
So wurde ich immer wieder weitergeschickt – wie in einem Ping-Pong-Spiel.
Zwischendurch blieb mir, um überhaupt mit jemandem reden zu können, nur die Telefonseelsorge. Dort in kurzer Zeit einen Überblick über meine aktuellen Sorgen zu geben, hat natürlich auch dazu geführt, dass ich gelernt habe, sehr komprimiert und funktional zu erzählen.
Insgesamt fühlt sich das alles inzwischen wie eine Prüfung an, bei der man ins richtige Raster passen muss:
Ist man „zu wenig“, gilt man als nicht krank genug.
Ist man „zu viel“, soll man lieber in eine Klinik.
Und genau dieses Gefühl begleitet mich auch in den therapeutischen Gesprächen.
Ich habe tatsächlich schon überlegt, einen Brief zu schreiben, weil ich im Moment kein gutes Gefühl habe, noch einmal hinzugehen. Das Gespräch wirkte sehr kühl und stellenweise auch vorwurfsvoll.
Zum Beispiel kamen Aussagen in die Richtung: „Wenn Sie jetzt zwei Jahre lang alternative Lösungen gesucht haben und nichts dabei herauskam, war das ja alles umsonst. Warum lassen Sie es dann nicht ganz, wenn es Sie so belastet?“
Da habe ich gemerkt, dass er offenbar nicht sieht, dass ich mich in dieser Zeit auch allein durch Depressionen und Panikattacken kämpfen musste – und dass diese Suche kein Hobby, sondern ein Überlebensversuch war.
@Montana
Du triffst den Punkt sehr gut, das stimmt absolut. Ich erzähle meine Geschichte oft, während ich innerlich gar nicht wirklich dabei bin – eher wie einen Horrorfilm, den man beschreibt, ohne zu erwähnen, dass man dabei vor Angst geheult hat.
Mein allererstes Gespräch war bei einem Psychiater mit Zusatz Psychotherapie, der mir empfohlen wurde, weil die Praxis neu eröffnet hatte und man sagte mir, dort wären noch freie Plätze. Ich war völlig aufgelöst, habe gestammelt und unsortiert geredet. Seine Reaktion war, mich anzustarren und zu motzen: „Ich verstehe kein Wort.“
Dann wechselte er zu einem Fragebogen am PC, und das Gespräch fühlte sich plötzlich an wie ein Kreuzverhör bei der Polizei. Ich musste im Eiltempo Ja-/Nein-Fragen beantworten:
„Spielt Alkohol eine Rolle?“ – „Nein.“
„Verletzen Sie sich selbst?“ – „Nein.“
"Haben sie Selbstmordgedanken" - "Nein"....
Am Ende zwang er mich sogar, mit dem Taxi in eine Klinik zu fahren, um dort einen OP-Termin zu machen, weil ich angeblich „unfähig“ sei, das selbst zu organisieren. Es war ein unfassbar heftiger Moment für mich, weil er mir gegenüber laut und drohend wurde.
Da habe ich sehr schnell gelernt, nicht mehr zu stammeln und möglichst kontrolliert zu sprechen.
An anderen Stellen wurden meine Probleme wiederum als „zu viel“ eingeschätzt, und mir wurde geraten, zuerst mehrere Wochen in eine Klinik zu gehen. In den Telefonaten mit verschiedenen Kliniken hieß es dann aber oft, dass man mir eigentlich gar nicht richtig helfen könne, da ich eher dauerhafte Begleitung und regelmäßige Gespräche ambulant bräuchte.
So wurde ich immer wieder weitergeschickt – wie in einem Ping-Pong-Spiel.
Zwischendurch blieb mir, um überhaupt mit jemandem reden zu können, nur die Telefonseelsorge. Dort in kurzer Zeit einen Überblick über meine aktuellen Sorgen zu geben, hat natürlich auch dazu geführt, dass ich gelernt habe, sehr komprimiert und funktional zu erzählen.
Insgesamt fühlt sich das alles inzwischen wie eine Prüfung an, bei der man ins richtige Raster passen muss:
Ist man „zu wenig“, gilt man als nicht krank genug.
Ist man „zu viel“, soll man lieber in eine Klinik.
Und genau dieses Gefühl begleitet mich auch in den therapeutischen Gesprächen.
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