Therapeut erzählt Beispiele aus seinem Privatleben

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Psychotherapie (von der es ja eine Vielzahl von Methoden gibt) gesammelt? Dieses Forum dient zum Austausch über die diversen Psychotherapieformen sowie Ihre Erfahrungen und Erlebnisse in der Therapie.
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Andrea_vonhier
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Therapeut erzählt Beispiele aus seinem Privatleben

Beitrag Mi., 14.01.2026, 00:01

Mein Therapeut hat sehr oft zu aktuellen Themen aus seinem Privatleben oder von anderen Klienten ein Beispiel. 1,Ich mag das nicht, da ich auch nicht möchte , dass er irgend jemand ein Beispiel aus meinem Leben erzählt.
2. seine Geschichten sind mehr als unglaubwürdig und mit jeder seiner Geschichten schrumpft mein Vertrauen ihm gegenüber.
Einmal hatte er meiner Meinung nach den Bogen überspannt und das sagte ich ihm dann auch. Ich stellte ihm die Frage warum er mir soviel Holler erzähle - selten soviel Mist gehört in einer Stunde, da spielte er dann den Beleidigten und sagte er hätte eine 7 jährige Ausbildung und wie ich auf die Idee kommen würde das als Mist zu beurteilen. Da war ich dann knapp davor aufzustehen und zu gehen und abzubrechen. Fällt das unter Provokation fange ich damit nichts an.

Was würdest du machen `??? Ihm klipp und klar sagen dass es unerwünscht ist ??? ignorieren ??? . vl versteht er es dann
abbrechen ???

Liebe Grüße
Andrea

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alatan
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Beitrag Mi., 14.01.2026, 04:54

Ganz klar: abbrechen.

Wer so etwas macht und sich vom Pat. fühlt und auf seine Ausbildung verweist, wird sich nicht ändern bzw. kann es gar nicht, weil er selbst ein tiefliegendes unbearbeitetes Problem hat.


Jenny Doe
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Beitrag Mi., 14.01.2026, 09:09

Hallo Andrea

Schwierig. So habe ich derartige Situationen zumindest empfunden.

Einerseits ist es natürlich nicht schlecht, wenn ein Psychotherapeut etwas selber kennt und weiß, wie man sich (z.B. mit einer bestimmten Erkrankung) fühlt. Wenn ein Therapeut also nicht nur etwas theoretisch aus dem Lehrbuch kennt.
Das birgt jedoch auch die Gefahr, dass er dann zu sehr von sich selber ausgeht und glaubt, bei seinen Patienten wäre das genauso. Da ist Selbstreflektionsfähgkeit eines Therapeuten gefragt.

Anderseits kann es auch schlecht sein, etwas aus dem Leben eines Therapeuten zu wissen.
Ich hatte mal eine Therapeutin, die mir erzählte, dass sie selber auch ein Burnout hat. Sie wollte mir mit ihrem Geständnis sicherlich nur das Gefühl geben „Ich verstehe sie“.
Auf mich wirkte sie jedoch sehr unglaubwürdig. Sie kriegt ihre eigenen Probleme nicht in den Griff, kann sich nicht selber helfen, will mir aber etwas von einem dicken Bär erzählen?!

Heute denke ich folgendes: Anstatt mich mit dem Verhalten eines Psychotherapeuten zu beschäftigen und zu versuchen, diesen zu verändern, frage ich mich lieber „Hilft MIR das? Tut mir das gut? Bringt mich das weiter?. ...“ Wenn die Antwort „Ja“ lautet, super. Dann passt alles. Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann passt es nicht. Da mag es vielleicht zwischen deinem Therapeuten und den anderen seiner Patienten passen, aber nicht zwischen Dir und ihm.
Lerne aus der Vergangenheit, aber mache sie nicht zu deinem Leben. Wut festhalten ist wie Gift trinken und darauf warten, dass der Andere stirbt. Das Gegenstück zum äußeren Lärm ist der innere Lärm des Denkens.

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chrysokoll
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Beitrag Mi., 14.01.2026, 10:41

Ich möchte Jenny zustimmen: Es sollte Patienten helfen

Meine Therapeutin setzt eigene Erlebnisse sehr sehr dosiert ein und nur wenn sie wirklich das Gefühl hat es hilft mir. Ebenso bringt sie ganz ganz selten mal ein absolut anonymisiertes Beispiel von Patienten. Sie sagt dann etwa "einer früheren Patienten half dabei xy, vielleicht wäre das auch etwas für Sie?"
Ich frage selbst auch mal ganz verzweifelt wenn ich festhänge wie das denn andere machen.

@ Andrea: Ich kann natürlich nicht beurteilen ob das total unglaubwürdig ist was dein Therapeut da so sagt, aber für dich hört es sich offenar so an. Und genau das würde ich sagen. Allerdings bringt es wenig da sofort ausfallend und abwertend zu werden.
Ich finde es wichtig Dinge zu sagen, Therapeuten können keine Gedanken lesen. Also zu sagen "ich möchte nicht dass Sie mir Beispiele von sich erzählen, das stört mich / das bringt mir nichts...."

Wichtig wäre für mich: Bringt dir die Therapie grundsätzlich etwas? Kommst du weiter, kannst du dir vorstellen mit diesem Therapeuten weiterzukommen?
Wie lange bist du denn schon dort un welche Therapieform ist das ?

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Andrea_vonhier
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Beitrag Mi., 14.01.2026, 19:18

Ich ging zu dem Therapeuten wegen einem akkuten Problem. Schnell wurde ihm klar, dass das Problem tiefer verwurzelt ist. Wir besprachen das weitere Vorgehen und meine Ziele und Erwartungen einer Therapie. Ich hatte Vertrauen zu ihm und stimmte einer tiefenpsychologischen Therapie zu. Aber seither hat er für alles was ich sage auch eine persönliche Geschichte dazu. Sage ich zb. dass ich mir besser kein rotes Auto kaufen hätte sollen, und schon gar nicht an einem Montag - so sagt er darauf - ja, meine Eltern kauften auch mal ein rotes Auto an einem Montag und waren nicht zufrieden !!!! Weißt du was ich damit sagen will ???? Ich denke - sage ich nichts dazu hält er mich für total bescheuert , der man alles erzählen kann. Sage ich , dass er damit aufhören soll gebe ich ihm vor zu sagen wie er seine Arbeit zu tun hat - ist auch nicht ok. Und falls ich ihm sage, dass ich ihn für sehr schlagfertig und kreativ bezüglich Antworten halte könnte er vl fragen warum ich ihn nicht glaube. Es ist meine erste Therapie, also habe ich auch keinen Vergleich. Aber fragt er mich was antworte ich ja, bin sozusagen auch offen für eine Therapie, darum kann ich es gar nicht verstehen.
Auf seine letzte Antwort reagierte ich nicht, auch nicht als er nachfragte. Ich dachte mir nur - für wie bescheuert hält der mich ??? Er sprach mich dann darauf an und ich wechselte das Thema.
Ich wünsche mir, dass es mit ihm funktioniert, immerhin ist nichts schlechter geworden seit ich bei ihm bin. Aber mit seiner jetzige Art kann ich nicht umgehen.


Jenny Doe
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Beitrag Mi., 14.01.2026, 19:42

Hallo Andrea
Aber seither hat er für alles was ich sage auch eine persönliche Geschichte dazu.
Erzählt er nur von sich und seinen Geschichten oder geht er auch auf dich und DEINE Geschichte ein?

Fühlst du dich von ihm (trotzdem) gehört und gesehen?
Ich wünsche mir, dass es mit ihm funktioniert, immerhin ist nichts schlechter geworden seit ich bei ihm bin. Aber mit seiner jetzige Art kann ich nicht umgehen.
Wie würdest DU denn gerne auf seine Art reagieren (können)? Ich meine, außer ihm zu sagen "Hören SIE auf" und zu versuchen ihn zu verändern gibt es ja auch die Möglichkeit selber einen Umgang mit dem zu finden, womit man nicht umgehen kann. Hast du Ideen, wie du gerne reagieren möchtest?
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alatan
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Beitrag Mi., 14.01.2026, 20:20

Tiefenpsychologisch ist das mit Sicherheit nicht.
Hört sich eher nach Hilflosigkeit an.

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Andrea_vonhier
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Beitrag Mi., 14.01.2026, 20:41

keine Ahnung !! Ich empfinde es so, dass er seine Aussagen macht um bei mir eine Reaktion zu sehen, Aber warum ?? ich antworte ihm ja sowieso, er muss mich nur fragen.

Warum Hilflosigkeit ??? ich kann auch über belastende Themen sprechen, warum also das Theater ???
Was ist der Unterschied zur tiefenpsychologischen Therapie ??

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Sinarellas
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Beitrag Do., 15.01.2026, 08:10

???!!! Fragen!!! die du??? dem Therapeuten!!! Stellen könntest.
Wenn du das alles als Theater bezeichnest, frage ich mich, welchen Mehrwert es für dich hat dort hin zu gehen. Und welchen Vorteil du davon hast, in dieser Dynamik zu bleiben.
..:..


Jenny Doe
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Beitrag Do., 15.01.2026, 08:47

Hallo Andrea
Ich empfinde es so, dass er seine Aussagen macht um bei mir eine Reaktion zu sehen, Aber warum ??
So ist das Leben. Andre sagen oder tun etwas, worauf man selber reagiert.

Ich würde mir nicht nur die Frage stellen, warum er etwas macht, sondern auch mich selber fragen, warum ich so reagiere, wie ich reagiere. Und auch die Frage, wie ich selber anders reagieren könnte.

Du stehst vor der Herausforderung mit etwas umgehen lernen zu müssen, womit du derzeit noch nicht umgehen kannst.

Sicher könntest du die Therapie abbrechen, aber du wirst auch in der „Welt da draußen“ auf Menschen stoßen, die von ihren eigene roten Autos erzählen, anstatt auf dich einzugehen.

So ist das Leben. Und dein Therapeut konfrontiert dich gerade mit etwas, womit du nicht klar kommst.
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Andrea_vonhier
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Beitrag Do., 15.01.2026, 09:28

Danke für eure Antworten

Ich werde mir Gedanken machen ob es wirklich noch Sinn macht die Therapie fortzusetzen.

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chrysokoll
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Beitrag Do., 15.01.2026, 09:48

Diese Gedanken sind elementar.
Wichtig fände ich vorher klar mit dem Therapeuten zu reden. Ihm das zu sagen was du hier schreibst.
Also: "Warum erzählen Sie mir diese Dinge?" und auch "bei mir macht das x und y"
Wenn es geht auch was du statt dessen brauchst


Jenny Doe
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Beitrag Do., 15.01.2026, 09:56

Ich werde mir Gedanken machen ob es wirklich noch Sinn macht die Therapie fortzusetzen.
Aber sprech auch mit ihm über deine Gedanken.
Wir können Dir die Frage, warum dein Therapeut das macht, nicht beantworten. Das kann nur er.

Möglich wäre ja z.B., dass er sich so verhält, weil er erreichen möchtest, dass du bei dir selber bleibst und dich durchsetzt.
Ob es so ist, ... das musst du ihn fragen.
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Inner_hero
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Beitrag Mo., 19.01.2026, 18:41

Ich frage mal sehr dezent: Praktiziert diese Person in einer bayerischen Kleinstadt?

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Erdbeere02
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Beitrag Di., 20.01.2026, 18:13

Sage ich zb. dass ich mir besser kein rotes Auto kaufen hätte sollen, und schon gar nicht an einem Montag - so sagt er darauf - ja, meine Eltern kauften auch mal ein rotes Auto an einem Montag und waren nicht zufrieden !!!! Weißt du was ich damit sagen will ???? Ich denke - sage ich nichts dazu hält er mich für total bescheuert , der man alles erzählen kann. Sage ich , dass er damit aufhören soll gebe ich ihm vor zu sagen wie er seine Arbeit zu tun hat - ist auch nicht ok. Und falls ich ihm sage, dass ich ihn für sehr schlagfertig und kreativ bezüglich Antworten halte könnte er vl fragen warum ich ihn nicht glaube.
Das ist ein schönes Beispiel für meine Vermutung: In der (tiefenpsychologischen) Therapie geht es u.a. darum potentiell destruktive Gedankengänge aufzuspüren und den Klienten damit zu konfrontieren. Oder anders ausgedrückt: es geht darum, die (verinnerlichten) Glaubenssätze des Klienten zu hinterfragen. Es liegt jetzt an dir, ob du diese Glaubenssätze behalten möchtest oder ob du langfristig darauf verzichten kannst, bzw. zu anderen, positiveren Glaubenssätzen finden kannst.

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